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Zeit für eine Auszeit

Autor: Sarah Sommer / am

Ein Sabbatical muss man sich erst mal leisten können. Aber wer geschickt mit dem Arbeitgeber verhandelt, kann über Zeit- und Gehaltskonten eine bezahlte Auszeit organisieren.

Auszeit nehmen mit dem Sabbatical

Einfach mal raus aus dem durchgetakteten Arbeitsalltag – für einige Monate reisen, ein Buch schreiben,
ein soziales Projekt umsetzen. Sich weiterbilden. Oder schlicht den Kopf frei bekommen und in Ruhe Zeit
mit der Familie verbringen. Wer träumt nicht davon? Sabbaticals liegen in der Schweiz im Trend. Selbst
Topmanager wie SBB-Chef Andreas Meyer klinken sich für einige Monate aus dem Job aus.


Bei vielen öffentlichen Unternehmen wie der SBB haben Kadermitarbeiter und Angestellte nach einer bestimmten
Anzahl von Dienstjahren Anspruch auf einen solchen zusätzlichen, bezahlten Urlaub. Ausserhalb des öffentlichen
Dienstes hingegen sind Sabbaticals meist nur auf eigene Rechnung üblich und möglich. Nur wenige Unternehmen bieten
aktiv Sabbaticals und flexible Regelungen für längere Auszeiten an. Wer nicht gerade ein CEO-Gehalt bezieht, muss
also ordentlich sparen, um sich den Traum von einer mehrere Wochen oder Monate langen unbezahlten Auszeit zu erfüllen.
Hinzu kommt: Während der Auszeit entfällt nicht nur der monatliche Arbeitslohn. Gleichzeitig müssen Mindestbeiträge für
Pensionskasse, Alters- und Hinterlassenenversicherung weiter gezahlt werden. Sonst können langfristig Versorgungslücken
entstehen
. Auch Kranken- und Unfallversicherung müssen im Sabbatical privat finanziert werden.

Doch wer langfristig plant und geschickt mit dem Chef verhandelt, kann eine allzu grosse Einkommenslücke
und zu viel Papierkram mit den Versicherungen während der Auszeit womöglich vermeiden. Eine Möglichkeit:
Angestellte bieten ihren Vorgesetzten an, dass sie in der Zeit vor dem geplanten Sabbatical für dieselbe
Zeitspanne Vollzeit zum halben Gehalt arbeiten. Im Gegenzug erhalten sie während des Sabbaticals dann weiter
das halbe Gehalt und sind kranken- und sozialversichert. In Unternehmen, die ein Arbeitszeitkonto-System führen,
können Mitarbeiter vereinbaren, Überstunden auf dem Zeitkonto anzusammeln und diese dann auf einen Schlag abzufeiern.
Das alles bedeutet natürlich Zusatzaufwand für den Arbeitgeber: Er muss sich um eine Vertretung für die Zeit des
Sabbaticals kümmern, rechtliche und organisatorische Fragen rund um Gehaltszahlungen, Versicherungs- und Vertragsfragen
klären. Einen Rechtsanspruch auf ein Sabbatical gibt es nicht – auch wenn sich die SP die Forderung nach einem solchen
Sabbatical für alle in ihrem neuen Wirtschaftskonzept auf die Fahnen geschrieben hat.


Die Idee: Der zusätzliche Urlaub, den Arbeitgeber nach Wunsch der SP künftig verpflichtend gewähren müssten, soll an keine
inhaltichen Bedingungen geknüpft sein, maximal ein Jahr lang dauern und ab 25 Jahren bis zum Rentenalter flexibel abgerufen
werden. Während dieser Zeit sollen die Auszeitler dann eine Entschädigung in Höhe des Existenzminimums erhalten.
Wie ein solcher Anspruch zu finanzieren wäre, ist noch unklar.


So lange solche politischen Forderungen nicht in konkrete Gesetze gegossen sind, braucht es also weiter gute Argumente, um dem Chef den Traum vom Sabbatical schmackhaft zu machen. Viele Angestellte trauen sich allerdings erst gar nicht, nach einem Sabbatical zu fragen, zeigt eine Umfrage des Karriereportals Xing in Deutschland: Ein Viertel aller Befragten würde demnach zwar gerne ein berufliches Time-out in Anspruch nehmen, über die Hälfte (53 Prozent) hat ihren Wunsch jedoch (noch) nicht gegenüber dem Arbeitgeber geäussert. Und tatsächlich stehen die Chancen, dass ein Sabbatical gewährt wird, verhältnismässig schlecht: Die Hälfte aller Sabbatical-Anfragen werden der Umfrage zufolge abgelehnt, ein Drittel wird lediglich mit Einschränkungen abgesegnet.


Wer seinen Chef überzeugen will, dass ein Sabbatical eine gute Sache ist, muss sich also gut vorbereiten. Das Jahresgespräch ist ein guter Zeitpunkt, um das Thema Sabbatical anzusprechen und mit guten Argumenten in die Verhandlung zu gehen. Wer sich etwa schon vor dem Gespräch Gedanken darüber macht, wie Vertretungs-Regelungen während der Abwesenheit aussehen könnten und wie wichtige Projekte rechtzeitig vor dem Sabbatical abgeschlossen werden können, zeigt: Mein Job ist und bleibt mir wichtig. Und wer während der Auszeit eine Weiterbildung absolvieren will oder im Ausland eine neue Sprache lernt, kann dem Arbeitgeber das als Mehrwert für das Unternehmen nach seiner Rückkehr anpreisen. Aber auch wer keine konkreten beruflichen Kompetenzen aufbaut, kann argumentieren, dass ein ausgeruhter, erholter Mitarbeiter ein Gewinn für die Firma ist: Die Auszeit stärkt schliesslich Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Womöglich hilft es auch zu erwähnen, dass es für das Arbeitgeber-Image durchaus von Vorteil sein kann, sich bei Sabbatical-Wünschen von Mitarbeitern flexibel zu zeigen – schliesslich machen sich in Zeiten des Fachkräftemangels viele Unternehmen Gedanken darüber, wie sie für junge, gut ausgebildete Mitarbeiter attraktiv werden und bleiben können. Und viele Generation Y-Vertreter wünschen sich ein Sabbatjahr schon in jungen Jahren.


Wer besonders mutig ist – oder aber ohnehin sehr unzufrieden mit seinem aktuellen Job – der kann natürlich auch einfach kündigen. Dann wird die Auszeit zur Gelegenheit, um einen echten beruflichen Neuanfang zu planen. Ob das Sabbatical unter solchen Voraussetzungen allerdings tatsächlich eine entspannte Auszeit werden kann, hängt vom persönlichen Nervenkostüm ab. Und davon, wie realistisch die Chance auf einen erfüllenderen, gut bezahlten neuen Job nach dem Sabbatical ist.

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