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Kommt jetzt die Lohn-Preis-Spirale?

Autor: Tobias Egli / am

Die Inflation ist zurück: Ist das für Angestellte ein Grund, sich Sorgen zu machen – oder bloss eine Rückkehr zur ökonomischen Normalität?

Stabile Preise und gleichzeitig Zinsen nahe Null: Das ist inzwischen seit vielen Jahren die Normalität, an die Menschen in den westlichen Industrieländern gewöhnt sind. In der Schweiz ist die Inflation seit mehr als einem Vierteljahrhundert weitestgehend konstant – auffällig hohe Preissteigerungen gab es zuletzt Anfang der 1980er Jahre und Anfang der 1990er Jahre mit Inflationsraten um die sechs Prozent. Die Schweizer Währungshüter der Nationalbank SNB streben gemäss ihrem geldpolitischem Konzept nach Preisstabilität: Diese ist definiert mit einer Inflationsrate von weniger als zwei Prozent, aber auch höher als Null Prozent. Eine Studie der Credit Suisse und der London Business School identifiziert die konstant niedrige Inflation sogar als einen der wesentlichen Erfolgsfaktoren der Schweizer Wirtschaft.

Kommt nun die Lohn-Preis-Spirale?

In den vergangenen Jahren rückte das Inflationsziel allerdings etwas aus dem Fokus, weil die Währungspolitik im Vordergrund der SNB-Aktivitäten stand: Um eine wirtschaftsschädliche Aufwertung des Frankens zu verhindern, setzen die Nationalbanker auf Devisenmarktinterventionen: Im Jahr 2020 kaufte die SNB für 110 Milliarden Franken ausländische Devisen. In den vergangenen zehn Jahren liess sie die Schweizer Inflationsrate derweil immer häufiger in den negativen Bereich rutschen – in Richtung der selbstgesetzten Obergrenze von zwei Prozent bewegte sie sich schon lange nicht mehr. Stattdessen gewöhnte man sich hierzulande an latente Deflation: Das Leben wurde tendenziell günstiger. Die Corona-Krise schien diesen Trend zunächst nur noch weiter zu verstärken.

Daher lässt es viele Beobachter nun aufhorchen, wenn die Inflation im Land plötzlich wieder auf einen Wachstumskurs einschwenkt und deutlich über Null liegt. Zuerst einmal ist das ein gutes Zeichen: Das Ende der Pandemie scheint absehbar, oder zumindest steuert die Wirtschaft auf einen stabilen Pfad des „New Normal“ zu. Das sorgt für einige Nachholeffekte, auch bei den Preisen: Viele Rohstoffpreise, die mit dem Beginn der Pandemie eingeknickt waren, steigen nun zügig an – denn Lieferengpässe und Nachholeffekte sorgen für Knappheiten und Versorgungsengpässe. Rohstoffe wie Holz, aber auch Computerchips, sind plötzlich knapp und daher teuer. Unternehmen fangen an, strategisch wichtige Güter zu horten und höhere Lagerbestände anzulegen, und verstärken so diesen Effekt. Schiffscontainer müssen erst wieder an die richtigen Stellen in den globalen Lieferketten gebracht werden, bevor der Handel richtig in Schwung kommen kann.

Nun sind das erst einmal Momentaufnahmen – optimistische Beobachter hoffen, dass sich die Lieferketten und damit auch die Preise im globalen Handel in den kommenden Monaten einfach wieder zurechtruckeln und Übertreibungen wieder eingefangen werden. Doch es gibt einige Faktoren, die auf eine Verstetigung der hohen Preise auch über die nächsten Monate hinaus hinwirken könnten. So reagieren etwa viele Staaten mit Protektionismus auf die Versorgungsengpässe: Sie greifen mit Zöllen und Handelshemmnissen in den Markt ein, was wiederum die Preise im globalen Handel weiter nach oben treibt. Auch die vielen internationalen Initiativen zur Klimagesetzgebung, die den CO2-Footprint von Produkten einpreisen wollen, wirken mittel- und langfristig auf eine Verteuerung vieler Produkte hin. Viele Staaten sind derweil so massiv verschuldet, dass es unwahrscheinlich ist, dass sie gegen eine steigende Inflation aktiv vorgehen werden – denn die sinkenden Preisniveaus machen die Schuldenlast in den Staatshaushalten erträglicher.

Welche Folgen hätte es, wenn diese langfristigen Trends in den nächsten Jahren tatsächlich die Preise wieder stärker nach oben treiben? Steigende Preise führen dazu, dass Konsumentinnen und Konsumenten mit ihrem Geld weniger kaufen können. Manche Ökonomen warnen daher vor einer möglichen Lohn-Preis-Spirale in der Zukunft. Denn auch die Löhne, die derzeit noch stagnieren, dürften in den kommenden Jahren in vielen Branchen nach und nach immer stärker steigen. Dafür sorgen die gute Konjunktur, aber auch Fachkräftemangel und demographische Entwicklung: Immer mehr Menschen in der Schweiz erreichen das Rentenalter, immer weniger junge Menschen folgen ihnen auf dem Arbeitsmarkt nach. Und hoch qualifizierte Fachkräfte sind jetzt schon knapp. Müssen die Unternehmen die Löhne erhöhen, legen sie diese Mehrkosten auf die Produktpreise um – woraufhin die Angestellten weitere Lohnerhöhungen fordern. Eine Lohn-Preis-Spirale entsteht. In der Modellierung laut Lehrbuch kann die Inflation so ausser Kontrolle geraten – Notenbanken müssen daher eingreifen, bevor ein solcher sich selbst verstärkende Prozess einsetzt.

Erste Eingriffe zeichnen sich international bereits ab: Die US-Notenbank Fed hat nach Inflationsraten von rund fünf Prozent im Mai etwa ihre Inflationsprognose nach oben gesetzt und angedeutet, die Leitzinsen gegebenenfalls in den kommenden Jahren anzuheben, um den Trend zu brechen. Die Schweizer Nationalbank SNB hingegen gibt sich betont gelassen: Auch mittelfristig werde die Inflation hierzulande nicht stark steigen. Auch die Prognosen verschiedener Wirtschaftsforschungs- und Finanzinstitute sehen für die kommenden beiden Jahre einen nur moderaten Wachstumskurs der Teuerungsrate auf bis zu 0,79 Prozent voraus.

Fest steht: Während die Konsumentenpreise bislang nur langsam steigen, ist der Trend steigender Vermögenspreise ungebrochen. Aktienkurse und Immobilienpreise klettern auf immer neue Höhen. Die Vermögen der privaten Haushalte in der Schweiz steigen daher, jedenfalls auf dem Papier. In den kommenden zwei bis drei Jahren wird diese Vermögenspreisinflation der am stärksten spürbare Effekt der Bewegungen am Geldmarkt bleiben. Mittel- und langfristig allerdings müssen wir uns wohl wieder an steigende Preise gewöhnen.

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