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Wie viel verdient man als Astronaut?

Wer einen Lohnvergleich verschiedener Jobs vornimmt, kommt möglicherweise auch auf die Idee, den Bruttolohn zu erfragen, den ein Astronaut erhält. Hierzu gibt es in der Tat Angaben. Demnach liegt das Jahresgehalt für ESA-Astronauten zwischen 55.000 und 110.000 Euro. Das hängt vom Stand ihrer Ausbildung und ihres Einsatzes ab. Die untere Grenze verdient demnach ein Astronaut während seiner Ausbildung, danach erhält er mehr, ein deutlicher Gehaltssprung erfolgt bei einem tatsächlichen Raumflug. Der Bruttolohn steigt dann auf rund 90.000 Euro. Wenn der Astronaut Kommandant eines Schiffes oder einer Raumstation wird, kann er gar mit 110.000 Euro pro Jahr rechnen. Die NASA-Astronauten verdienen ganz ähnlich, ihre Gehaltsspanne bewegt sich zwischen rund 64.700 bis 141.700 Dollar jährlich. Das berichtet unter anderem markt.de. Ein Lohnvergleich mit anderen Jobs führt mithin zum ernüchternden Fazit, dass die Ehre für die Astronauten zwar sehr groß ist, das Einkommen aber nur eher mittlere Werte erreicht.

Etwas exakter: Gehaltsklassen der ESA

Bei der ESA gibt es Einkommensklassen, die sich die Redakteure von Futurezone genauer angesehen haben. Sie sehen so aus:

  • A2, A4: Wissenschaftler, Ingenieure, Verwaltung auf höherer Ebene
  • L2, L4: Übersetzer
  • A5, A6: Führungspositionen
  • B2, B4, B5, B6: Sekretariat, technische Unterstützung, untere Verwaltungsebene

Das Gehalt von Astronauten fällt anfangs in die Klasse A2. Nach der erfolgreichen, sehr anstrengenden Ausbildung erhält der Astronaut seinen Bruttolohn nach der für diese Berufsgruppe reservierten Klasse A3. Mit dem ersten Raumflug steigt er in die A4 auf und steht im Lohnvergleich damit auf einer Stufe mit höher qualifizierten Wissenschaftlern, die am Boden bleiben. Das bedeutet auch: Das enorme Risiko eines Astronauten wird praktisch nicht vergütet. Jedoch gibt es bei Raumflügen Sonderzahlungen und auch Tagespauschalen. Diese sollen wohl nicht nur dieses Risiko mit abdecken, gleichzeitig sind sie eine Entschädigung für die Unbequemlichkeiten, die Astronauten im All in Kauf nehmen müssen. So ist beispielsweise der Toilettengang alles andere als angenehm. Auf der ISS nutzt der Astronaut einen Toilettenstuhl, auf dem ein Ventilator unter einem Trichter den Urin absaugt (der in Trinkwasser umgewandelt wird), beim Stuhlgang muss er ein relativ kleines Loch treffen. Auch die Exkremente werden abgesaugt und in Plastiktüten verpackt. Wenn etwas nicht funktioniert, jagen Astronauten durchaus einmal schwebenden Exkrementen hinterher. Darüber hinaus verändert das Weltall einen Menschen sehr. Das wurde in einer Studie mit den Zwillingen Mark und Scott Kelly untersucht, wie Futurzone berichtet. Scott war ein Jahr auf der ISS (März 2015 bis März 2016), Mark blieb auf der Erde. Danach wurden die eineiigen Zwillingsbrüder untersucht. Das Ergebnis ist durchaus beunruhigend:

  • Der Astronaut Scott hatte nach seiner Rückkehr aus dem All längere Telomere. Diese Biomarker beeinflussen Alterungsprozesse, ihre Verlängerung gilt als riskant.
  • Seine Genexpression und seine DNA nahmen Schaden.
  • Seine Halsschlagader und seine Netzhaut verdickten sich.
  • Sein Darmmikrobiom hatte sich verändert.
  • Auch das Gehirn wies eine etwas andere Struktur auf.

Die Veränderungen, allesamt im Vergleich mit dem Zwillingsbruder Mark festgestellt, gingen auf der Erde zu 90 % zurück. Doch Weltraumärzte und -biologen schlugen trotzdem Alarm. Im Jahr 2016 wurden anschließend längere Weltraummissionen stark in Zweifel gezogen, es gab sie seither auch bis heute (2019) nicht mehr.

Wie wird jemand Astronaut?

Die ESA und die NASA bzw. die entsprechenden Institutionen in den anderen Weltraumnationen Russland, China und (ab 2020) Indien schreiben die Stellen aus. Die Bewerber – Höchstalter 37 Jahre – müssen flugtauglich und nach bestimmten Kriterien gesund sein. Idealerweise sind sie Natur- oder Ingenieurswissenschaftler und sprechen fließend Englisch und am besten auch Russisch. Das Auswahlverfahren ist streng, getestet werden unter anderem die stabile psychische Verfassung, gute Teamfähigkeiten, ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen und gute Kommunikationsfähigkeiten. Bei der ESA bewerben sich auf eine Stelle rund 25.000 Kandidaten. Die Stellen werden nur bei Bedarf und daher unregelmäßig ausgeschrieben. In die letzte Runde kommen etwa 20 der Bewerber, sie absolvieren sehr anspruchsvolle Eignungstests. Die meisten der Interessenten stammen aus der Luftfahrt. Zu den Voraussetzungen gehört, dass sie mindestens 1.000 Flugstunden absolviert haben. In dieser Hinsicht haben sich die Anforderungen allerdings in den letzten Jahrzehnten geändert: Frühere Astronauten und Kosmonauten waren praktisch durchweg Militärpiloten, weil es nur darum ging, dass sie glänzend fliegen und ein Fluggerät steuern können. Heute sind Wissenschaftler gefragt, die aber dennoch zum Fliegen eine erstklassige Beziehung haben sollten. Die fachlichen Voraussetzungen sind ein Bachelor- oder Master-Abschluss. Die Wissenschaftler unter den Astronauten forschen in der ISS und in Raumschiffen, die Ingenieure übernehmen Wartungs- und Reparaturaufgaben. Auch abseits des sehr seltenen Weltraumeinsatzes sind Astronauten schwer beschäftigt, die ESA setzt sie im Kölner EAC (European Astronaut Center) für Forschungsaufgaben ein. Außerdem absolvieren sie permanente Trainings. Die Ausbildung dauert drei Jahre und umfasst auch sehr viel theoretisches Wissen. Direkt vor dem Start absolvieren die Astronauten ein Mission Training, nach welchem der beste Absolvent und ein Ersatzmann/-frau für den Flug ausgewählt werden.

Der Astronaut und die ESA

Sehr konkret und aus erster Hand ist auf der Webseite der ESA zu erfahren, wie jemand Astronaut werden kann. Die ESA wählte ihre ersten Astronauten 1978 aus, die erste Spacelab-Mission folgte 1983. Seither arbeitet sie an ihrem Astronautenkorps. Im Jahr 2019 stellt sie keine Astronauten ein, sie würde über ein neues Auswahlverfahren auf ihrer Webseite informieren. Das letzte derartige Verfahren fand 2008 statt. Geforderte Fachrichtungen und Qualifikationen für eine Bewerbung sind:

  • Hochschulabschluss in einer der Naturwissenschaften Physik, Chemie, Biologie oder Mathematik bzw. in einer Ingenieurwissenschaft bzw. in Medizin
  • vorzugsweise (nicht Bedingung) drei Jahre Flugerfahrung als Pilot
  • vorzugsweise (nicht Bedingung) abgeschlossenes (Zusatz-)Studium in Luft- und Raumfahrttechnik
  • sehr gute Studienergebnisse
  • sehr gutes Englisch
  • vorzugsweise (nicht Bedingung) Beherrschung einer weiteren Fremdsprache

Gesundheitliche Voraussetzungen sind das Bestehen der Gesundheitsprüfung JAR-FCL 3 Klasse 2, vollkommene Gesundheit, keine Alkohol-, Drogen- oder Nikotinabhängigkeit, vollkommene Beweglichkeit aller Gelenke, 100 % Sehkraft auf beiden Augen (20/20), wobei auch Sehhilfen (aber keine Fehlsichtigkeit) erlaubt sind, sowie das Fehlen sämtlicher psychischer Störungen. Getestet wird, ob ein Bewerber in einem stark intellektuell, sozial und emotional fordernden Umfeld noch effizient genug arbeiten kann. Es werden also nicht nur sehr hohe Fähigkeiten und ein ausgezeichneter Intellekt, sondern auch eine sehr hohe Stressresistenz verlangt. Die körperliche Kondition soll angemessen sein, Spitzensportler sind eher nicht gefragt. Eine übermäßig starke Muskulatur kann in der Schwerelosigkeit nachteilig sein. Viele Interessenten fragen, ob sie sich gezielt auf die Gesundheitstests vorbereiten können. Hierzu gibt es eine klare Antwort von der ESA: So eine Vorbereitung ist nicht möglich. Frauen bestehen die Tests übrigens ebenso gut wie Männer.

Was hat der Astronaut für eine Psyche?

Er verfügt über ein sehr gutes Urteilsvermögen und über die Fähigkeit, dieses auch unter starkem Stress zu behalten. Weitere wichtige psychische Eigenschaften sind:

  • gutes Gedächtnis
  • räumliches Orientierungsvermögen
  • hohes Konzentrationsvermögen
  • manuelle Geschicklichkeit
  • gute psychomotorische Koordination
  • hohe Motivation
  • emotionale Stabilität
  • Flexibilität
  • geringe Aggressivität
  • Teamfähigkeit

Die europäischen Astronauten werden derzeit für Langzeitmissionen in der ISS ausgebildet, wo sie Experimente durchführen und die Station auch steuern und warten. Am Boden unterstützen sie technisch die Raumfahrtprogramme. Auch die permanente Ausbildung und die Öffentlichkeitsarbeit gehören zum Bodenprogramm. Zur Ausbildung gehören Informationen zu Raumfahrtbehörden und Weltraumprogrammen, Grundlagen der Raumfahrttechnik, wissenschaftliche Fachrichtungen und Elektrotechnik. In einem späteren Ausbildungsabschnitt wird jeder Astronaut direkt für die Bedienung der ISS, der Sojus (russische Trägerrakete) und des Space Shuttle ausgebildet. Auch ein Tauchtraining gehört zur Ausbildung, es ist die Basis für Außenbordeinsätze. Weitere Themen sind Russisch, Robotertechnik, Weltraummanöver mit einem Raumschiff und Verhaltenstraining. Die letzte missionsspezifische Phase, die direkt auf den Raumflug und den Einsatz auf der ISS vorbereitet, dauert alleine 18 Monate. Für jede Mission auf der ISS werden zwei CMOs („Crew Medical Officers“) medizinisch so gut ausgebildet, dass sie auch an Bord medizinische Hilfe leisten können. Ansonsten stehen die Astronauten permanent mit Ärzten auf der Erde in Kontakt. Die Funkverbindung zur ISS erfolgt praktisch ohne Zeitverzögerung, wenn die Raumstation eine Funkstation überfliegt. Ansonsten werden die Signale über Satelliten zum Kontrollzentrum geleitet, die Verzögerungen entsprechen in etwa denen, die wir von Fernsehreportern kennen – also rund zwei bis drei Sekunden. Daher kann sich ein Astronaut ganz unmittelbar mit einem Arzt auf der Erde unterhalten. Auch kann ein Ärzteteam von der Erde aus eine heikle medizinische Operation der CMOs live unterstützen.

Wissenswertes zum Aufenthalt im Weltraum

Es ist inzwischen bekannt, dass Langzeitaufenthalte medizinisch nicht unbedenklich sind, daher werden die ISS-Aufenthalte von Astronauten und Kosmonauten heute auf einige Wochen bis sehr wenige Monate limitiert. Dennoch verändert sich der Astronaut im Weltall körperlich. Seine Muskeln verlieren trotz Training Masse und Stärke. Die Knochendichte sinkt. Es können Haltungs- und Bewegungsprobleme auftreten. Das Blutvolumen kann signifikant sinken, was kardiovaskuläre Probleme verursachen kann. Bei der derzeitigen Aufenthaltsdauer im Weltall verschwinden diese Auswirkungen nach Aussagen der ESA nach der Rückkehr praktisch wieder vollständig. Auf der Erde werden nach der Rückkehr umgehend Rehabilitationsmaßnahmen eingeleitet. Der Schwund der Knochenmasse beträgt rund ein Prozent pro Monat. Nach der Rückkehr baut sich diese etwa im gleichen Zeitraum wieder auf. Hierbei spielen aber auch individuelle Voraussetzungen und die Disziplin beim sportlichen Training an Bord der ISS eine sehr große Rolle. An Bord der ISS arbeiten Astronauten täglich 12 Stunden, die exakt geplant werden. Sehr viel Zeit erfordern Routineaufgaben wie Reparaturen und Reinigungsarbeiten, der Rest der Zeit gehört der Wissenschaft. Das sportliche Training dauert täglich mindestens zwei Stunden. Dabei wird zwar geschwitzt, doch ihre Wäsche wechseln Astronauten eher selten, weil sie diese auf der ISS nicht waschen und aus Gewichts- und Platzgründen auch nicht allzu viel davon mitnehmen. Unterwäsche soll drei Tage getragen werden, Arbeitskleidung zehn Tage. Geduscht wird auch nicht, das funktioniert nicht in der Schwerelosigkeit. Die Astronauten wischen sich mit Feuchttüchern ab. Der jüngste Astronaut aller Zeiten war mit 25 Jahren übrigens der Sowjetbürger Gherman Titov (Flug mit Vostok-2 im Jahr 1961), der älteste mit 77 Jahren der US-Amerikaner John Glenn (Flug mit dem Space Shuttle 1998). Am längsten war mit reichlich 437 Tagen der Russe Valeri Poljakow im All. Die Mission fand zwischen 1994 und 1995 an Bord der russischen Raumstation Mir (Мир = „Welt“ oder „Frieden“) statt. Derzeit denkt seit dem Zwillingsexperiment mit Mark und Scott Kelly niemand mehr an solche Langzeitmissionen. Zwar will SpaceX-Gründer (und Tesla-Unternehmer) Elon Musk schon um 2025 Menschen zum Mars schicken, doch der Flug könnte im günstigsten Fall nur 80 Tage dauern, also eine heute für ISS-Aufenthalte übliche Zeit. Auf dem Mars wiederum existiert dann wieder eine Schwerkraft – die allerdings nur rund ein Drittel der irdischen beträgt. Wie lange ein menschlicher Körper diese Leichtigkeit des Seins aushält, ohne Schaden zu nehmen, ist ein aktuelles Forschungsthema vor allem der NASA. Man vermutet, dass sich der Körper der Marsianer bei wirklichen Langzeitaufenthalten so verändern würde, dass sie vielleicht bei einer Rückkehr gar nicht mehr die Gravitation der Erde ertragen könnten. Dieses Problem, das öffentlich kaum kommuniziert wird, gilt als eines der größten der Raumfahrt im 21. Jahrhundert.

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