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Wie viel verdient Jeff Bezos?

Der Wert des Online-Händlers Amazon schwankt schon seit Ende 2018 um den Wert von einer Billion Dollar. Dieser Wert ist zwar nicht einfach darzustellen – es ist der Wert in Aktien, der implizite Handelswert, wenn jemand das Unternehmen komplett übernehmen würde, aber auch (zusätzlich) der inkludierte Wert der Marke und/oder des Geschäftsmodells. Die Zahl von einer Billion Dollar wirkt dennoch sehr handfest und wird immer wieder gern kolportiert, sie ist zumindest dicht dran an der Wahrheit (auch wenn der Kurs der Amazon-Aktien seither wieder etwas gefallen ist). Der Amazon-Gründer und -Chef Jeff Bezos verdient jedenfalls prächtig an seinem Unternehmen – nämlich einen durchschnittlichen Stundensatz von 4,4 Millionen Dollar. Das berichtet die Handelszeitung.

Die oberste Liga der Milliardäre

Es gibt gar nicht wenige Milliardäre auf der Welt, doch auch in dieser Liga wird ganz oben die Luft sehr dünn. Die Spitze hält schon seit 2017 Amazon-Gründer und CEO Bezos. Sein Vermögen wurde zuletzt auf 112 Milliarden Dollar geschätzt, wobei auch diese Zahl schwankt, denn Bezos investiert laufend neu, verdient aber auch laufend neu, musste andererseits im Frühjahr 2019 nach der Trennung seine Ehefrau mit einem Aktienpaket abfinden und verkaufte im August 2019 aus ganz anderen Gründen selbst Aktienpakete (die ihm viel Bargeld einbrachten). Allerdings merkt sich der lesende Otto Normalverbraucher nur, dass der Amazon-Chef eine dreistellige Milliardensumme besitzt, was unfassbar viel Geld ist. Wir können das nicht einordnen. Bezos wurde 1964 geboren. Wenn er ganz ohne weitere geschäftliche Aktivitäten und nach einem Komplettverkauf all seiner Unternehmen noch 85 Jahre alt würde, müsste er täglich 10.228.310 (~10,228 Millionen) Dollar ausgeben, damit das Geld alle wird. Das ist nicht zu schaffen. Wir können daher so viel Reichtum praktisch nicht begreifen. Dementsprechende Versuche gibt es dennoch immer wieder, so jüngst vom Nachrichtenportal „Business Insider“. Die Kollegen dort wollten solche Zahlen greifbarer machen und griffen die Forbes-Liste der reichsten US-Amerikaner auf. Dann brachen sie die Verdienste auf Stundenlöhne herunter. Dabei führte Bezos die Rangliste an, gefolgt von Facebook CEO Mark Zuckerberg mit 1,8 Millionen Dollar und Investor Warren Buffett mit knapp einer Million Dollar. Die Rechnung wurde aufgemacht, kurz nachdem die Amazon-Börsenkapitalisierung die Eine-Billion-Marke geknackt hatte. Nur wenige Monate zuvor hatte Apple diese magische Marke übersprungen.

Der Vergleich mit normalen Angestellten

Natürlich interessiert uns bei einem so exorbitanten Stundenverdienst der Vergleich mit den normalen Amazon-Angestellten. Dieser fällt je nach Sichtweise beeindruckend oder verheerend aus: Der Gründer des Online-Versandändlers verdient das 157-Fache des durchschnittlichen Jahresgehalts seiner Mitarbeiter pro Stunde – wohlgemerkt. In den USA liegt das durchschnittliche Jahresgehalt von Amazon-Beschäftigten bei 28.466 Dollar. Um die Vergleiche noch etwas fortzusetzen:

  • Der im Jahr 2018 bestbezahlte Schauspieler der Welt war Georg Clooney. Er hat einen Stundenlohn von rund 27.200 Dollar.
  • Der Basketball-Superstar LeBron James verdient pro Stunde 9.760 Dollar – ein Betrag, für den der Amazon-Chef Bezos wahrscheinlich morgens nicht einmal die Augen aufschlägt.

Die Berechnungen des Business Insiders basierten wiederum auf den Recherchen des Forbes-Magazins, das regelmäßig die Einkünfte und Vermögensverhältnisse von Superreichen schätzt. Dass es noch besser geht, beweist eine weitere Recherche der Handelszeitung: Die Redakteure fanden heraus, dass Bezos auch schon einmal an einem einzigen Tag eine reichliche Milliarde Dollar verdient hatte.

1,3 Milliarden Dollar pro Tag

Am 6. Januar 2017 wurde Bezos um 1,3 Milliarden Dollar reicher. Der Grund: Die Amazon-Aktien waren an diesem Tag im Kurs um zwei Prozent gestiegen. Für Bezos als größtem Aktionär brachte das den beschriebenen Zugewinn. Der Vorgang zeigt exemplarisch auf, dass Menschen wie der Amazon-Chef längst nicht mehr mit schierer Arbeit ihr Geld verdienen. Sie halten Aktien ihrer eigenen Unternehmen, die sie auf Erfolgskurs gebracht haben und dort auch halten. Sicher ist Bezos auch fleißig, ideenreich und im Tagesgeschäft aktiv. Doch damit lassen sich solche Stundenlöhne nicht erzielen. Es sind die Aktienpakete der Superreichen, die ihr Vermögen stetig mehren. Das ist natürlich auch riskant, denn Aktienkurse können auch einmal fallen. Doch solche Verluste können diese Menschen verkraften. Wichtig ist dabei, dass Bezos Aktionär seiner eigenen Firma ist, die er gleichzeitig steuert. Dabei erzielt er einen Erfolg nach dem anderen. Anfang 2017 beispielsweise, als er die erwähnten 1,3 Milliarden an einem Tag verdiente, war gerade die Sprachassistentin Alexa von Amazon-Echo auf der CES (Consumer Electronics Show) in Las Vegas vorgestellt worden. Das befeuerte den Kauf von Amazon-Aktien, weil Anleger vollkommen zu Recht vermuteten, dass hier schon wieder eine neue, unglaublich erfolgsträchtige Technologie auf den Markt kommt. Heute (August 2019) wissen wir, dass sie sich nicht geirrt haben: Amazon-Echo ist ein Verkaufshit, der Kurs der Amazon-Aktien ist in den letzten zweieinhalb Jahren nochmals extrem gestiegen (von damals rund 680 auf heute 1.500 Dollar).

Über Jeff Bezos

Jeffrey Preston Bezos, Jahrgang 1964, stammt aus New Mexico und ist ein Scheidungskind: Seine Eltern trennten sich ganz kurz nach Bezos’ Geburt, der damals noch nach seinen leiblichen Eltern Jorgensen hieß. Seine Mutter heiratete dann den Exilkubaner Miguel Bezos, dessen Namen der Amazon-Chef heute trägt. Die Familie zog nach Houston, wo Jeffrey Bezos zur Schule ging, später nach Miami, wo er die Senior High School besuchte. Ab 1982 studierte er in Princeton Informatik und Elektrotechnik, er erwarb seinen Bachelor mit Bestnoten. Nach seinem Studium arbeitete er zuerst bei einer Mobilfunkgesellschaft und danach bei verschiedenen New Yorker Vermögensverwaltungen. In dieser Position kam er zusammen mit seinem Partner David E. Shaw auf die Idee, im jungen Internet ein Buchgeschäft aufzuziehen. Von Shaw trennte er sich aber wieder. Er gründete 1994 Amazon.com zunächst als reinen Buch- und CD-Vertrieb, erst später wurde daraus der allumfassende Online-Handel, den wir heute kennen. Wichtig an dieser Entwicklung von Bezos sind die beiden Bereiche, in denen er ein ausgewiesener Fachmann ist: Informatik und Business (Vermögensverwaltung, Aktienanlage etc.). Er bringt wirklich alle Voraussetzungen mit, um ein erfolgreiches Online-Business aufzuziehen. Dabei blieb er nicht stehen, er gründete unter anderem im Jahr 2000 Blue Origin als privates Raumfahrtunternehmen, das heute mit SpaceX von Elon Musk um Aufträge konkurriert. 2013 kaufte er The Washington Post, von der aus er seit etwa 2018 gegen seinen Intimfeind Donald Trump schießt, der dafür mit bösartigen Twitter-Statements gelegentlich den Amazon-Aktienkurs absinken lässt. Was lehrt uns das? Auch Milliardäre haben es nicht immer leicht. In diesem Fall haben es die beiden prominentesten US-Milliardäre Donald Trump und Jeffrey Bezos miteinander nicht leicht. Privat war Bezos seit 1993 mit MacKenzie verheiratet, mit der er vier Kinder hat. Sie trennten sich 2019, Bezos fand seine Frau mit einem riesigen Amazon-Aktienpaket ab. Diese Aufteilung des Ehevermögens beeinflusste aber den Aktienkurs praktisch nicht, weil MacKenzie gleich danach klarstellte, dass sie weder die Geschäftspolitik beeinflussen noch das Aktienpaket auf den Markt werfen wolle.

Über Amazon

Die weltbekannte Versandfirma ist in der juristischen Form einer Incorporation organisiert und schon lange an der Börse notiert. Sie bietet heute eine unglaublich breite Produktpalette an – wir finden dort (fast) alles mit einer höchst komfortablen Bestell- und Kaufabwicklung sowie äußerst zuverlässigen Lieferungen. Dieses Geschäft hat zum märchenhaften Vermögen von Jezz Bezos geführt, dessen überaus größter Teil aus Aktien seiner Firma besteht. Das Geschäft ist allerdings auch umstritten und zumindest zweischneidig: Amazon-Angestellte arbeiten auf alle Fälle in den Versandabteilungen unter schlechteren Einkommens- und Arbeitsbedingungen als andere Beschäftigte der Logistikbranche. Auch die Informatiker, Buchhalter und Manager auf den verschiedenen Leitungsebenen des Konzerns gelten nicht eben als überbezahlt. Das liegt wiederum auch an uns allen als Kunden: Wir mögen es gerade beim Onlinekauf nicht nur gut und bequem, sondern vor allem billig, billig, billig. Über das Bezos-Unternehmen herzuziehen ist daher stets wohlfeil und politisch korrekt, doch wer es ernst meint, dürfte dort nicht einkaufen. So einen Versuch haben wir alle schon einmal unternommen. Dann haben wir uns bei anderen Online-Händlern umgeschaut und sind über unmögliche Webseiten, intransparente Zahlungs- und Versandbedingungen sowie ein unzulängliches Produktangebot gestolpert, was viele von uns wieder verschämt die Amazon-Webseite aufrufen ließ. Wer online im Millisekundentakt agiert, kann mit unzulänglichen Onlineshops eben einfach nichts anfangen. Kurz und knapp müssen wir konstatieren: Jeff Bezos macht wohl die Sache grundsätzlich richtig, was zu seinem oben geschilderten sagenhaften Stundenlohn führt.

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