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Das eigene Ziel vor Augen

Autor: Jennifer Garic / am

Wer sich selbst Ziele setzt, arbeitet effizienter und zielgerichteter. Damit das im Job besser klappt als mit oft leidigen Neujahrsvorsätzen, müssen Arbeitnehmer*innen an der Formulierung feilen.

Eine Aufgabe jagt die nächste, nach dem Telefonat schnell zur Besprechung und heute Mittag zum Report beim Chef. Bürotage können wahnsinnig stressig sein. Und wenn man sich am Ende des Tages oder Jahres fragt, was man eigentlich geschafft hat, lautet die Antwort zu oft: keine Ahnung. Das frustriert auf Dauer. Wer gegen den Arbeitsblues ankämpfen und erfolgreich sein will, muss sich Ziele setzen – die Wirksamkeit des so genannten “Goal Settings” das belegen Studien. Laut der Psychologie ist das Verfolgen von konkreten Zielen eng mit Selbstbewusstsein, Motivation und Autonomie verknüpft. Menschen, die ihre Ziele aufschreiben sind um 33 Prozent erfolgreicher gegenüber denen, die sie nur im Kopf formulieren. Das zeigt eine Studie des Psychologen Gail Matthews. Zusätzlich ist das Abstecken und Erreichen von Zielen eine gute Grundlage für Gehaltsverhandlungen. Denn anhand dessen können Angestellte und Führungskräfte die geleistete Arbeit objektiv bewerten und bei Bedarf Themenfelder und Verantwortlichkeiten anpassen.

Mit festen Zielen zu mehr Gehalt

Aufgrund dieser Vorteile gibt es in einigen Unternehmen bereits sogenannte Zielvorgaben oder -vereinbarungen. In denen legen Arbeitnehmer mit ihrem Vorgesetzten Ziele für das laufende Geschäfts- oder Kalenderjahr fest. Rein formell ist das eine vertragliche Nebenabrede. Bei einer Zielvorgabe werden, wie der Name schon sagt, nur Ziele vorgegeben, die der Arbeitnehmer erreichen muss. Eine Zielvereinbarung ist mit einer Bonusregel verknüpft. Erreichen Angestellte alle Ziele, erhalten sie die vereinbarte Höchstsumme am Ende des Jahres als variablen Gehaltsanteil ausgezahlt. Wurde ein Ziel verfehlt oder nicht vollständig erfüllt, gibt es weniger vom Bonus. Für Mitarbeiter ist das ein enormer Anreiz, für Chefs eine Möglichkeit die Motivation und Effizienz zu steigern. Es springt also für beide Seiten etwas heraus.
Aber wie stellen Arbeitnehmer sicher, dass es mit dem Berufsziel besser klappt als mit manchem Neujahrsvorsatz, der schon in der zweiten Januarhälfte wieder über Bord geworfen wird? Auch hier gilt: auf jeden Fall Ziel möglichst konkret ausformulieren und schriftlich fixieren. Bei einer Zielvereinbarung mit dem Chef passiert das sowieso. Aber auch wer nur für sich selbst Karriereziele setzt, sollte das in einem Dokument festhalten. So kann man sich selbst nicht mehr austricksen oder vor einzelnen Teilen drücken.

SMART-Methode

Bei der Formulierung hilft die SMART-Methode. Die besagt, dass Ziele spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert sein müssen. Das heißt:
Spezifisch
Es muss ganz klar sein, was das Ziel ist. Worte wie „mehr“ oder „weniger“ bringen nichts. Statt also aufzuschreiben „Ich will mich mehr mit den Kollegen aus meinem Projekt austauschen“, ist besser: „Ich vereinbare mit meinen Projektkollegen einen wöchentlichen einstündigen Termin, an dem wir uns austauschen.“
Messbar
Ein Klassiker bei Vorhaben ist das Wort „besser“. Das nützt bei Zielvereinbarungen aber wenig. Denn was ist schon besser? Das müssen Arbeitnehmer klar definieren. Statt „Wir wollen die Kundenzufriedenheit verbessern“ sollten sie lieber schreiben: „Wir wollen die Weiterempfehlungsrate in quartalsweisen Kundenumfragen auf 80 Prozent steigern.“ So ist am Ende des Jahres klar, ob das Ziel erreicht wurde – oder eben nicht.
Attraktiv
Damit ein Ziel wirklich einen Motivationsschub verleiht, muss es auch für den Angestellten selbst sinnvoll und attraktiv sein. Arbeitnehmer sollten sich also nichts vornehmen, worauf sie keine Lust haben. Geht es nicht nur um persönliche Ziele, sondern gilt es eine Zielvereinbarung mit dem Chef zu treffen, sollte ersichtlich werden, inwiefern der Arbeitgeber davon profitiert. Schließlich wird das Erfüllen der Vereinbarung ja mit Geld belohnt.
Realistisch
„In diesem Jahr verdreifacht sich der erwirtschaftete Umsatz unseres Teams“ – klingt toll. Realistisch ist das aber nicht unbedingt. Wer sich unrealistische Ziele vornimmt, ist schnell frustriert und einen Bonus gibt es dann auch nicht. Arbeitnehmer sollten gemeinsam mit ihrer Führungskraft überlegen, welches Ziel in diesem Jahr machbar ist und sich darauf verständigen.
Terminiert
Bei persönlichen und Karrierezielen ist es wichtig, einen Zeithorizont festzulegen. So schützt man sich selbst vor Aufschieberitis und eine Deadline spornt zusätzlich an. In Zielvereinbarungen ist der Termin meist auf das Ende des Kalender- oder Geschäftsjahres festgelegt.
Ziele in kleinere Etappen unterteilen
Wer noch genauer in die Planung einsteigen will, der kann sich an Tipps der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften orientieren. Die Wissenschaftler des Instituts für Angewandte Psychologie empfehlen, die Ziele in kleinere Teile zu zerlegen. So können Arbeitnehmer zum Beispiel nicht nur absolute Ziele zum Ende des Jahres, sondern auch kurz- und mittelfristige Vorhaben formulieren. Solche Etappenziele geben eine Richtung vor und sorgen für steten Fortschritt. Und wer das erste Zwischenziel erreicht hat, startet mit neuer Motivation zum nächsten.
Eine weitere Möglichkeit ist es, die eigenen Vorsätze in Optimal-, Normal- und Minimalziele zu unterteilen. Das Normalziel ist das, was man sich eigentlich vornehmen möchte oder mit dem Chef vereinbart. Das Optimalziel stellt eine Steigerung dessen dar, gemessen an der Frage: Was kann ich erreichen, wenn alles super und zu meinen Gunsten läuft? Das Minimalziel ist die pessimistische Variante davon: Was lässt sich trotz möglicher Hürden ziemlich sicher erreichen? Der Vorteil dieser Einteilung: Läuft es nicht so recht, hat man am Ende des Jahres trotzdem das Erreichen des (Minimal-)Ziels zu feiern. Und wer schon vor Ende des Jahres sein Normalziel erfüllt hat, kann sich mit dem Optimalziel erneut selbst anspornen und über sich hinaus wachsen. Am Ende kommt es also vor allem auf die eigene Planung an – und darauf, den eigenen Schweinehund mit taktischen Formulierungen auszutricksen.

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