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e-Sportler heute: Wie hoch ist ihr Verdienst?

Mit praktisch allem lässt sich auf irgendeine Weise Geld verdienen, wenn man es nur gut genug beherrscht – und Computerspiele sind keine Ausnahme. Im e-Sport fällt der Verdienst heute allerdings wesentlich höher aus als beispielsweise noch zum Jahrtausendwechsel. Welche Verdienstmöglichkeiten existieren und wie realistisch das Erreichen dieser Ziele ist, klären wir in diesem Artikel.

Geld verdienen mit e-Sports: Wie funktioniert das?

Aktuell existieren weder für PCs noch Konsolen Spiele, mit denen sich direkt Geld verdienen lässt. Dies ist nur über Umwege möglich – etwa über Plattformen wie Twitch, auf denen Spieler das Geschehen im Spiel live streamen können und von ihren Zuschauern gelegentlich kleinere (und bisweilen, wenn auch selten, grosse) Geldbeträge als Dankeschön erhalten. Auf diese Weise finanzieren sich die meisten Spieler heute.

Wesentlich mehr Geld winkt jedoch auf den grossen Turnieren, die teilweise von weltbekannten Marken wie Intel, Red Bull und anderen Unternehmen gesponsort werden, bei denen das Geld entsprechend locker sitzt. Wer wirklich gross einsteigen möchte, muss sich – zumindest derzeit – jedoch auf einige wenige Spiele konzentrieren. Für besonders hohe Preisgeldausschüttungen ist unter anderem Dota 2 bekannt (das aus dem altehrwürdigen Strategiespiel Warcraft 3 hervorging), ausserdem winken Fortnite, der Dauerbrenner Counter-Strike sowie das Dota 2 sehr ähnliche League of Legends mit Preisgeldern. Eine kleinere Nische, die aber von erstaunlich langer Lebensdauer ist, bekleiden Strategiespiele wie StarCraft II.

Auffällig ist, dass es aus dem bei Spielern beliebten Battle Royale Genre (eine feste Anzahl Spieler duelliert sich in einem begrenzten Gebiet, bis nur noch ein Spieler als Sieger verbleibt) nur Fortnite in den Mainstream geschafft hat. Andere Spiele aus demselben Genre haben es bislang nicht vollbracht, die Aufmerksamkeit der Sponsoren langfristig zu fesseln. Bisweilen springen übrigens auch die Entwickler der Spiele selbst ein, um Turniere mit Preisgeldern zu versorgen und damit auch die Werbetrommel zu rühren. Gute Beispiele dafür sind id Software mit Quake Champions oder Valve mit diversen Counter-Strike-Turnieren.

Preisgeld ist nicht gleich Preisgeld

Zu Bedenken in Bezug auf den Bruttolohn ist unter anderem, dass das Genre beim Verdienst eine grosse Rolle spielt. Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit: Der US-Amerikaner Kyle Giersdorf gewann durch den Gewinn der World Cup Finals 2019 in der Solo-Kategorie exakt 3 Millionen US-Dollar. Zwar handelt es sich dabei „nur“ um den Bruttolohn, aber der Gewinn gehört komplett diesem einen Spieler.

Anders sieht es etwa bei Dota 2 aus: Im Turnier The International 2017 entfielen auf den Gewinner 10.862.683 US-Dollar – allerdings handelt es sich um ein Spiel, das in Teams von jeweils fünf Spielern gespielt wird. Am Ende konnte der Deutsche Kuro Salehi Takhasomi somit „nur“ 2.172.536 US-Dollar gewinnen (was aber noch immer reicht, um derzeit die Rangliste der bestverdienenden Spieler anzuführen). Ob es sich um ein Spiel handelt, das allein oder im Team gespielt wird, hat somit auch grosse Auswirkungen auf den Verdienst.

Preisgelder im Wandel der Zeit

e-Sport hat im Laufe der Zeit einen drastischen Wandel erfahren. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Gaming allgemein im Mainstream angekommen ist. Ein Vergleich der geschichtlichen Daten lässt erahnen, welche Dimensionen das Spielen auf dem Computer inzwischen angenommen hat.

Vor ungefähr 20 Jahren waren es vor allem Spiele wie Quake III Arena, Unreal Tournament oder – auch schon damals – Counter-Strike sowie StarCraft in Südkorea, womit Spieler das erste Mal nennenswerte Summen verdienen konnten. Allerdings bewegten sich die Summen in einem komplett anderen Rahmen: Für Quake III Arena (ein Spiel, das auch heute noch wettbewerbsorientiert gespielt wird) beträgt das höchste jemals aufgezeichnete Preisgeld nur 100.000 US-Dollar. Davon entfielen auf den Gewinner John Hill nur 25.000 US-Dollar, obwohl er einer der besten Spieler seiner Generation war und das Spiel über Jahre dominierte. Insgesamt brachte er es durch das Spiel nur auf etwa 150.000 US-Dollar Verdienst über seine gesamte Karriere.

Diesen Gewinn hat der bereits erwähnte Kyle Giersdorf mit nur einem einzigen Turnier um das 20-fache übertroffen – und er steht unzweifelhaft noch am Anfang seiner Karriere, denn er ist im Moment nur 16 Jahre alt und hat damit noch mindestens ein Jahrzehnt vor sich, bevor Reflexe und Hand-Augen-Koordination nicht mehr ausreichen werden, um gegen die dann junge Garde zu bestehen. Insgesamt fristen Spiele heute nicht mehr das Schattendasein, das sie noch vor ein bis zwei Jahrzehnten innehatten, und diese Tatsache lockt Sponsoren mit enorm gut gefüllten Bankkonten auf den Plan.

Ein weiterer Vorteil unserer Zeit ist, dass Videostreaming es ermöglicht, in sehr guter Qualität live bei den Events dabei zu sein. Von grösseren Turnieren erfuhren Interessierte in den Anfangszeiten des breit verfügbaren Internets entweder in Textform auf Webseiten oder noch in den damals beliebten Computerspielmagazinen. Diese eher trockene Berichterstattung weicht heute Live-Events, die von professionellen Kommentatoren und Analysten begleitet werden und die, ebenso wie etwa ein grosses Fussballturnier, ein gewaltiges Spektakel um das eigentliche Ereignis veranstalten – und wer nicht dabei sein kann, streamt sich das Event in HD-Qualität auf Smartphone, Tablet, Notebook & Co.

Auch diese Tatsache hat einen Einfluss auf die Preisgelder, denn Sponsoren können sich nun sicher sein, viele Millionen Menschen auf der ganzen Welt zu erreichen – und nicht einige wenige Spieler in einer kleinen Nische. Allein der Livestream des Fortnite-Finalspiels im Juli 2019 hat eine zweistellige Anzahl Nutzern allein bei YouTube verfolgt, andere Streaming-Plattformen sind darin nicht eingerechnet. Von den Zeiten eines Nischensports, der in schlechte beleuchteten Kellern ausgetragen wird, sind wir somit weit entfernt.

Die grössten e-Sports-Turniere im Vergleich

Die Art des Spiels diktiert auch, wie viel Preisgeld überhaupt für die Spieler zur Verfügung steht. Unangefochten auf dem ersten Platz rangiert hier Dota 2, das allein aufgrund der enormen Preisgelder des Turniers The International den einsamen ersten Platz belegt. Die 2019er-Ausgabe des Turniers wird vom 15. bis 25. August in Shanghai abgehalten und bietet einen Preispool von insgesamt 33.103.658 US-Dollar an, davon entfallen allein auf das Gewinner-Team etwas mehr als 15 Millionen US-Dollar.

Ebenfalls weit oben mit dabei sind die bereits erwähnten Fortnite World Cup Finals 2019, die insgesamt 15,2 Millionen US-Dollar an Preisgeld heranschaffen konnten. Davon entfielen 3 Millionen US-Dollar auf den schon genannten Kyle Giersdorf, auch die Plätze 2 und 3 gingen mit jeweils 1,8 und 1,2 Millionen US-Dollar an Spieler aus den USA. Ob sich das Spiel langfristig gegen bereits verhältnismässig eingesessene Veteranen wie Dota 2 durchsetzen können wird, bleibt abzuwarten.

Das grösste Turnier in League of Legends war der 2018 World Championship, in dem sich die Spieler – insgesamt 24 Teams mit insgesamt 130 Spielern – um 6,4 Millionen US-Dollar streiten konnten. Zumindest im Bereich der Preisgelder konnte League of Legends nie aus dem sehr grossen Schatten von Dota heraustreten, obwohl dies nicht mit der Qualität des Spiels zusammenhängt. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass sich an der Konstellation der beiden Kontrahenten etwas ändern wird.

Überraschend gering fällt der Verdienst in Counter-Strike: Global Offensive aus. Dort konnte das bislang grösste Turnier (die WESG 2016 und 2017 teilen sich diese Ehre) bislang „nur“ 1,5 Millionen US-Dollar an Preisgeld anbieten, das Team (bestehend aus fünf Spielern) auf dem ersten Platz erhielt davon 800.000 US-Dollar, sodass sich jeder Spieler über ein Preisgeld von 160.000 US-Dollar freuen durfte. Im Vergleich zu den bereits genannten Schwergewichten handelt es sich dennoch um eine verhältnismässig kleine Summe.

Noch geringer fallen die Preisgelder im für Anfänger recht schwer zugänglichen und daher für den Mainstream vielleicht zu komplexen StarCraft II aus: Dort warteten im Turnier WCS 2017 insgesamt 700.000 US-Dollar auf die Spieler, von denen 280.000 US-Dollar an den Gewinner aus Südkorea gingen. Insgesamt waren neun Südkoreaner unter den ersten 16 Spielern vertreten, was die Bedeutung des Spiels in dem Land verdeutlicht (auch der erste Teil von StarCraft brachte es dort auf einen erheblichen Bekanntheitsgrad).

Im direkten Lohnvergleich liegen Fortnite und Dota somit klar an der Spitze.

e-Sports und Steuern

Wie die meisten anderen Einkünfte handelt es sich auch bei den Preisgeldern in League of Legends & Co. nur um den Bruttolohn, der anschliessend noch versteuert werden muss. Welcher Steuersatz dabei zur Anwendung kommt, hängt unter anderem vom Herkunftsland des Spielers und weiteren Faktoren ab, sodass eine pauschale Aussage kaum getroffen werden kann.

Welche Disziplinen gibt es?

Wie „normaler“ Sport existieren auch im e-Sport verschiedene Disziplinen. Grob lässt sich die Welt der e-Sportler in die folgenden Kategorien einteilen:

• Strategiespiele
Sie waren einmal der König des e-Sports, heute sind sie jedoch eher eine Nische. In Strategiespielen wie StarCraft II geht es darum von einer eigenen Basis aus Ressourcen zu sammeln, Gebäude zu errichten, Technologien zu erforschen und Kampfeinheiten zu bauen, um damit im Laufe des Spiels den anderen Spieler auszuschalten. Diese Spiele sind meist sehr komplex und für Zuschauer ohne Fachwissen nur schwer verständlich – ähnlich wie bei einem Schachturnier. Auch aus diesem Grund befinden sich Strategiespiele heute weniger in der Gunst der Spieler (und Zuschauer).

• First-Person-Shooter
In diese Kategorie fallen Spiele wie Counter-Strike oder Overwatch. Das Spielgeschehen wird direkt aus der Sicht des Spielers gezeigt. Abhängig vom Spiel ist es meistens das Ziel, den Gegner mit Hilfe von Waffengewalt oder speziellen Fähigkeiten des gespielten Charakters auszuschalten. Einige First-Person-Shooter werden im Solo-Modus gegen einen einzigen Kontrahenten gespielt, andere wiederum basieren auf Teams (wie das erwähnte Counter-Strike). Die Beliebtheit dieses Genres kennt seit Jahrzehnten kein Ende – und daran wird sich in absehbarer Zeit auch nichts ändern.

• MOBAs
Die Abkürzung MOBA steht für Multiplayer Online Battle Arena und bezeichnet Team-Spiele, in denen eine Gruppe aus Spielern eine andere Gruppe besiegen muss. Spiele wie League of Legends und Dota fallen in diese Kategorie. Das Spielgeschehen wird von oben gezeigt, was einen guten Überblick auch für Personen erlaubt, die mit dem Spiel nicht vertraut sind. MOBAs fallen ausserdem in die Kategorie „Easy to learn, hard to master“: Jeder kann schnell in MOBAs einsteigen, aber ein Spiel dieser Art zu meistern, ist sehr schwierig und dauert viele Jahre.

• Sportspiele
In dieser Kategorie ist es vor allem FIFA, das praktisch im Alleingang die Fahne für die Sportspiele trägt. Das bislang höchste Preisgeld beziffert sich auf 500.000 US-Dollar, was für einen modernen e-Sport-Titel nicht aussergewöhnlich viel ist. Abseits von FIFA sind es Spiele wie NBA oder Madden NFL, also Basketball und American Football – was wiederum dazu führt, dass diese Spiele von US-Amerikanern klar dominiert werden. Im Gesamtbild des e-Sports spielen Sportspiele somit eine nur untergeordnete Rolle.

• Battle Royale
Die Funktionsweise dieses Genres wurde bereits genannt: Eine fixe Anzahl Spieler spielt gegeneinander, bis nur noch der Gewinner übrigbleibt. Fortnite ist hier der aktuelle Platzhirsch, ebenfalls erwähnenswert ist jedoch PlayerUnknown’s Battlegrounds. Dort beträgt die höchste Preisausschüttung derzeit 1 Million US-Dollar. Ob sich das Genre in den nächsten Jahren behaupten können wird, muss die Zeit zeigen. Bislang handelt es sich um noch relativ junge Spiele, sodass eine Aussage über die langfristigen Verdienstmöglichkeiten kaum machbar ist.

Zwar existieren weitere Disziplinen, diese spielen jedoch im Lohnvergleich höchstens eine untergeordnete Rolle.

e-Sport für Frauen

Bislang ist der e-Sport an sich übrigens eindeutig männlich dominiert. Unter den aktuellen Top 50 der Verdiener befinden sich keine weiblichen Kandidaten (Quelle: https://www.esportsearnings.com/players). Bestimmte körperliche Grundvoraussetzungen muss man für das Spielen am Computer nicht mitbringen, sodass den Damen eigentlich der Weg offenstehen würde, um ebenfalls Geld auf Turnieren zu verdienen. Warum dies bislang nicht (oder nur eingeschränkt) der Fall ist, darüber lässt sich nur spekulieren. Möglicherweise haftet dem Gaming an sich noch immer der Glaube an, dass es sich um eine eher männliche Domäne handelt, sodass Frauen bislang wenig Interesse an dem Sport entwickeln konnten. Angesichts des rasanten Aufstiegs von e-Sport dürfte es aber nicht mehr lange dauern, bis auch Spielerinnen eine ernstzunehmende Konkurrenz zu den etablierten Grössen darstellen werden.

Geld verdienen mit Computerspielen – eine gute Idee?

Angesichts der Zahlen, die wir Ihnen präsentiert haben, kommt schnell die Vermutung auf, dass es sich beim elektronischen Wettkampf mit anderen um eine lukrative Job-Möglichkeit handelt. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass diese Spieler nur die Spitze des Eisbergs darstellen. Ebenso wie im echten Leben, in dem auf jeden Millionär im Fussball wohl eine sechsstellige Anzahl junger Spieler kommt, die es nicht geschafft haben, werden auch die meisten Gamer nie in die Sphären der Grossverdiener aufsteigen. Die allermeisten Spieler verdienen gar nichts oder bekommen Geld durch das Streaming auf Plattformen wie Mixer, Twitch oder YouTube.

Zusätzlich ist zu bedenken, dass es sich um eine Sportart handelt, die eindeutig von jungen Menschen – teilweise Teenagern – dominiert ist. Nicht zuletzt liegt das an den Reflexen, die in den meisten Spielen von Vorteil sind und die mit steigendem Alter abnehmen. Wer diesen Weg einschlagen möchte, muss sich also zwangsweise früh dazu entscheiden. Dann wiederum steht die Frage im Raum, ob es sich lohnt, das restliche Leben – wie die Schule – hinter den elektronischen Sport zu stellen. Von einigen Geschichten von Menschen, die mit Gaming Millionär geworden sind, sollten sich also vor allem junge Menschen nicht blenden lassen. „Einfach“ ist es, wie auch im Profisport, niemals.

Weiterhin steht den meisten Spielen eine ungewisse Zukunft bevor. Ob Spiel A morgen noch gespielt wird oder ob Spiel B nicht die Gunst der Spieler und der Öffentlichkeit gewinnt, kann niemand mit absoluter Gewissheit voraussagen. Für die Entscheidung, mit Computerspielen Geld zu verdienen, müsste man fast alles auf eine Karte setzen und im Zweifelsfall eine andere Strategie zurechtgelegt haben, um im Falle eines Scheiterns nicht komplett verloren im Leben zu stehen. Es ist daher empfehlenswert, sich den Schritt zum professionellen Gaming gut zu überlegen – und den Weg vor allem nicht allein zu gehen.

Inzwischen sind die erfolgreichsten Teams in professionellen Strukturen zusammengefasst. Diese Gruppierungen verfügen auch über einen Trainer, Geld von Sponsoren, bereitgestellte Hardware und teilweise auch eigene Häuser, in denen die Spieler wohnen und zusammen trainieren können. Für das recht hohe Preisgeld, das im e-Sport verankert ist, müssen Spieler somit auch Verträge unterschreiben und Leistung bringen. Das Bild vom entspannt vor dem PC sitzenden Jugendlichen, der nur ein wenig spielt, ist somit längst nicht mehr zeitgemäss und von der Wahrheit weit entfernt.

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