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Kredit aufnehmen: Wann macht ein Kleinkredit Sinn?

Autor: Sarah Sommer / am

Händler bieten heute für nahezu alle Produkte einen Kauf auf Raten an, auch Banken werben für Konsumentenkredite. Dabei werden stets die günstigen Konditionen betont. Kreditinstitute werben mit einem niedrigen Zins, Händler oft sogar mit einer Null-Prozent-Finanzierung. Lassen wir für einen Moment die unseriösen Händlerangebote beiseite, bei denen die Kreditkosten im erhöhten Kaufpreis oder in irgendwelchen Nebenkosten versteckt sind, ist dieses Werbeargument meist sogar zutreffend. Die durchschnittlichen Zinsen für einen Kleinkredit sind derzeit tatsächlich relativ niedrig. Diese günstigen Konditionen können durchaus ein Argument sein, sich für eine Finanzierung zu entscheiden. Allerdings nur dann, wenn den Kreditkosten eine Rendite gegenübersteht – wenn das Darlehen also gewinnbringend verwendet wird. Nicht notwendige Luxusgüter sollten dagegen auch zu günstigen Konditionen nicht per Darlehen angeschafft werden.

Investitionen in die eigene Zukunft

Hier gilt für Privatpersonen grundsätzlich dasselbe wie für Unternehmen. Notwendige beziehungsweise rentable Investitionen in die Zukunft rechtfertigen es durchaus, dafür Schulden aufzunehmen. Ein naheliegendes Beispiel sind die Kosten einer Ausbildung oder einer Weiterbildung, sofern anschliessend eine realistische Perspektive auf einen besseren Job oder auf einen höheren Lohn besteht. Auch die Anschaffung eines Autos fällt in diese Kategorie, sofern das Fahrzeug beruflich benötigt wird. Zahlreiche weitere Güter können ebenfalls darunter fallen. Manche Jobs erfordern hochwertige neue Kleidung, manche auch ein neues Smartphone.

Darlehen für Existenzgründer

Hier liegen die Dinge ein wenig komplizierter, weil die Erfolgsaussichten schwer einzuschätzen sind. Nahezu keine erfolgreiche Existenzgründung kommt ohne eine Fremdfinanzierung aus, wogegen selbstverständlich auch überhaupt nichts einzuwenden ist. Die Gefahr besteht darin, dass angehende Gründer natürlich selbst von ihrer Geschäftsidee nahezu immer begeistert sind und dementsprechend auch vom Erfolg der Gründung überzeugt sind. Auch deswegen verlangen Kreditinstitute vor der Finanzierungszusage einige Vorleistungen, zu denen insbesondere ein detaillierter Businessplan gehört. Wenn das Gründungsvorhaben diese Hürde genommen hat, sollten Existenzgründer den Gründungskredit in Anspruch nehmen. Abzuraten ist aber von Versuchen, die externe Prüfung zu umgehen und den Kreditwunsch beispielsweise als Konsumentenkredit zu deklarieren. Wer zum ersten Mal den Schritt in die Selbständigkeit wagt, ist selten in der Lage, Chancen und Risiken seines Vorhabens ohne externen Rat korrekt einzuschätzen.

Ist eine Hypothek für den Immobilienkauf sinnvoll?

Diese Frage ist grundsätzlich mit einem grossen „Ja“ und einigen kleinen „Aber“ zu beantworten. Wenn eine Immobilienfinanzierung planmässig verläuft, stellt sich rückwirkend in nahezu 100 Prozent der Fälle heraus, dass sich der Kauf wirtschaftlich gelohnt hat. Oft hat der Immobilienbesitzer am Ende der Finanzierung deutlich weniger an Zinsen bezahlt, als er ansonsten an Miete bezahlt hätte. Das derzeit niedrige Zinsniveau sorgt dafür, dass dieser Vergleich noch stärker zugunsten des Immobilienkaufs ausfällt. Vollkommen anders fällt die Bilanz allerdings aus, wenn die Raten irgendwann nicht mehr bedient werden können und der Traum vom eigenen Heim in einem Notverkauf oder gar in einer Zwangsversteigerung endet. Deswegen lautet das erste der erwähnten „Aber“, dass die Tragfähigkeit der Belastung langfristig gesichert sein muss, soweit dies in der Praxis möglich ist - natürlich ist niemand gegen unvorhersehbare Schicksalsschläge gänzlich gefeit. Das setzt ein relativ sicher erscheinendes Einkommen voraus und einen hinreichenden Puffer in der persönlichen Finanzplanung. Unerwartete Ausgaben sollten ebenso einkalkuliert werden wie möglicherweise steigende Zinsen, sofern diese nicht über die gesamte Laufzeit festgeschrieben sind. Wenn alle diese Bedingungen erfüllt sind, rechtfertigt ein Immobilienkauf im Allgemeinen einen Kredit.

Luxus sollte besser angespart werden

Luxusgüter wie Urlaubsreisen, riesige Flachbildfernseher oder teure Autos sollten hingegen nicht über einen Kleinkredit finanziert werden, wenngleich die Werbung der Anbieter gezielt dazu animiert. Der scheinbar einfache Kauf auf Raten ist verlockend, setzt aber oft eine verhängnisvolle Kettenreaktion in Gang. Wegen der laufenden Raten können weitere Anschaffungen plötzlich auch nicht mehr bar bezahlt werden, weswegen erneut ein Kredit in Anspruch genommen wird. Zusammen mit den ohnehin laufenden monatlichen Kosten summieren sich die Zahlungsverpflichtungen dann gelegentlich auf eine nicht mehr tragbare Höhe.

Langlebige Güter

Eine Sonderstellung nehmen langlebige Güter ein, beispielsweise die Wohnungseinrichtung. Diese werfen zwar im eigentlichen Sinne keine Rendite ab, ersparen aber spätere Ausgaben. Niemand wird begeistert sein von der Vorstellung, sich nach einem Umzug die Küche stückweise erst immer dann zu kaufen, wenn das Ersparte für das nächste Gerät reicht. Und natürlich spricht ebenfalls viel dafür, ein kaputtes Auto auch dann sofort zu ersetzen, wenn es ausschliesslich privat genutzt wird. Auch in diesen Fällen kommt ein Kleinkredit zweifelsohne infrage, da den finanziellen Verpflichtungen Güter gegenüberstehen, die auch längerfristig einen Wert besitzen. Natürlich sind die Grenzen zu Luxusgütern hier fliessend, denn es gibt eben auch Luxusküchen und Luxusautos. Für langlebige Güter ist die Aufnahme eines Kredits daher solange gerechtfertigt, wie die verführerische Möglichkeit einer einfachen Finanzierung nicht dazu führt, die eigenen finanziellen Möglichkeiten zu überschätzen.

Bei jedem Kredit gilt: Angebote vergleichen!

Wer sich für einen Kredit entscheidet, sollte nie spontan beim ersten Angebot zugreifen. Trotz aller Vergleichsmöglichkeiten begehen überraschend viele Kreditnehmer noch immer diesen Fehler. Das Problem ist eher psychologischer Natur. Zumindest einige Kreditnehmer wähnen sich noch immer in der Rolle des Bittstellers und werten ein Kreditangebot als ein Entgegenkommen des Kreditgebers, dem sie dafür womöglich sogar noch dankbar sein sollten. Nichts ist falscher als das! Kreditgeber handeln mit einer Ware namens Geld und sind wie alle Verkäufer auf der Suche nach Kunden. Wer auf der Suche nach einem Kredit ist, sollte daher dasselbe Selbstvertrauen an den Tag legen, das er als „König Kunde“ auch beim Kauf eines Fernsehers oder eines Autos zeigt. Dazu gehört, Angebote zu vergleichen und gegebenenfalls über den Preis zu verhandeln.

Kein Kredit um jeden Preis!

Wenn die Bank „nein“ sagt, spricht nichts dagegen, es bei einer zweiten Bank zu versuchen. Wenn aber alle seriösen Institute abwinken, sollte die Suche nach einem Kredit an dieser Stelle unbedingt enden. Natürlich liefern Suchmaschinen im Internet hunderte oder gar tausende Angebote von Kreditvermittlern, die genau diese Kundengruppe ansprechen und Kredite ohne jegliche Prüfung der Bonität versprechen. Sich an solche Vermittler zu wenden, führt nie zu etwas Gutem. Der einfache Grundsatz lautet, dass niemand Geld verleiht, wenn er nicht davon ausgeht, es auch zurück zu bekommen. Kaum einer dieser Kreditvermittler vermittelt daher wirklich Kredite. Sie sammeln meist lediglich persönliche Daten von Personen, die sich in finanziellen Schwierigkeiten befinden. Schon ein Blick in die Datenschutzerklärungen dieser Websites macht meist klar, wozu diese Daten tatsächlich genutzt werden sollen.

Welcher Zins ist akzeptabel?

Dahinter verbergen sich zwei Fragen. Die erste Frage lautet, welche monatlichen Kreditkosten für den Kreditnehmer tragbar sind. Die zweite Frage lautet, welche Zinsen angesichts des jeweils aktuellen Zinsniveaus noch als angemessen gelten können. Die zweite Frage ist relativ leicht zu beantworten, seit im Internet viele Kreditvergleiche angeboten werden. Diese Portale ermöglichen es inzwischen auch, nach Eingabe einiger Daten mehrere individuelle Angebote zu vergleichen. Auf diese Weise ist es leicht, sich einen Überblick über die für die eigene Bonität marktüblichen Zinsen zu verschaffen. Ein wenig schwieriger ist die Frage nach der Tragbarkeit der monatlichen Belastung. Kritisch ist die Belastung jedenfalls dann, wenn sie höher als der Betrag ist, der normalerweise monatlich zum Sparen übrigbleibt. Eine etwas grobe, aber im Grundsatz bewährte Faustregel, nimmt Bezug auf den monatlichen Lohn: Die Kreditbelastung sollte 15 Prozent des Nettoeinkommens nicht übersteigen. (Das gilt selbstverständlich nicht für eine Immobilienfinanzierung.)

Fazit: Kredite sind oft sinnvoll

Die Zeiten sind längst vorbei, in denen Schulden ein Makel waren, dessen man sich schämen musste. Kredite sind zu einem normalen Instrument des Wirtschaftskreislaufs geworden. Genau genommen lebt die heutige Wirtschaft sogar davon, dass Verbraucher Kredite aufnehmen. Würden Autos und Häuser nur noch von denen gekauft, die sie sofort bar bezahlen können, käme dies einer volkswirtschaftlichen Katastrophe sehr nahe. Die Aufnahme eines Kredits ist dann sinnvoll, wenn anschliessend auch etwas auf der Habenseite verbleibt. Dabei spielt es keine wesentliche Rolle, ob der Kredit in benötigte langlebige Güter oder zum Beispiel in eine beruflich verwertbare Ausbildung investiert wird. Kritisch sind Kredite immer dann zu sehen, wenn auf der Habenseite am Ende nicht steht, ausser ein bisschen Spass gehabt zu haben.

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