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Lohn gegen Ferien tauschen – das geht!

Autor: Sarah Sommer / am

Geld ist nicht alles. Dieser Gedanke setzt sich langsam auch in der Schweizer Arbeitswelt durch. Umfragen zeigen: Arbeitnehmer*innen verzichten sogar auf Geld, wenn sie dafür mehr Ferien haben.

Öfter mal eine Pause machen und sich vom stressigen Arbeitsalltag erholen: Das nehmen sich immer mehr Arbeitnehmer*innen vor, gerade jetzt nach den stressigen Pandemie-Monaten, die oft eine Mehrfach-Belastung mit sich gebracht haben. Bei Arbeitgebern treffen sie auf offene Ohren: Die Zahl der Ferientage ist in der Schweizer Arbeitswelt nicht länger eine starre Zahl im Vertrag, sondern zunehmend eine verhandelbare Variable. Ob Angestellte mehr oder weniger Ferien haben wollen, können viele mittlerweile selbst entscheiden.

Mehr Ferien statt Lohn?

Aber von vorne: Per Gesetz stehen Schweizern lediglich vier Ferienwochen, also 20 Tage, zu, wenn sie Vollzeit arbeiten. Dieser Mindestferienanspruch wird aber schnell knapp, besonders bei Eltern, die Kinder in der Ferienzeit betreuen müssen. Aber auch Nachwuchskräfte der Generationen Y und Z wünschen sich oft mehr Freizeit für Hobbys, gesellschaftliches Engagement, Familie und Freundschaften.

Viele Arbeitgeber*innen legen deswegen schon seit Jahren einige Tage drauf. Schließlich stellt der Mindestferienanspruch nur eine Untergrenze dar. Mehr geht immer. Im Durchschnitt haben Angestellte deswegen nicht nur vier, sondern etwa 5,2 Wochen im Jahr frei. Das sind umgerechnet 26 Tage. Die meisten Ferientage haben Angestellte ab 50 Jahren: Sie dürfen fast sechs Wochen frei nehmen.

Aber auch das reicht im Einzelfall Manchem nicht. Und genau dafür haben sich Arbeitgeberinnen etwas einfallen lassen: Mitarbeiterinnen können sich mehr Ferien durch Lohnverzicht erkaufen. Sie geben also einen Teil ihres Lohns ab und haben dafür ein paar Tage mehr im Jahr Freizeit für sich selbst, Familie und Freunde. Dieses Modell bieten in der Schweiz vor allem grössere Unternehmen an. Die Swisscom zum Beispiel wirbt mit dem Angebot direkt auf der eigenen Internetseite: Angestellte können sich dort bis zu zwei Wochen zusätzliche Ferien erkaufen oder einfach unbezahlten Urlaub beantragen. Auch die Grossbank UBS und die Privatbank Julius Bär bieten einen solchen Ferienbonus seit Jahren an.

Die Schweizer Unternehmen treffen damit genau ins Schwarze bei Bewerber*innen. Die legen nämlich immer weniger Wert auf die harten Fakten wie Gehalt und Bonus. Stattdessen rücken sogenannte Fringe Benefits in den Fokus. Zu diesen Nebenleistungen gehören kleine Aufmerksamkeiten vom Arbeitgeber wie Geschenke zum Ende der Probezeit, besondere Events, Zuschüsse zu Sport und Gesundheit, aber eben auch Ferientage.

Das gefällt vielen Schweizern, zeigen gleich zwei aktuelle Umfragen: In einer Studie des Benefit-Dienstleisters Swibeco gaben die Befragten an, dass sie motivierter bei der Arbeit wären, hätten sie mehr freie Tage. Doch das ist nicht alles. Wie wertvoll Ferien und Entspannung Schweizer Arbeitnehmer*innen sind, zeigt vor allem die zweite Umfrage. 69 Prozent der Befragten gaben gegenüber dem Karriereportal Xing an, dass sie für weitere Ferientage auf einen Teil ihres Gehalts verzichten würden. Nur zehn Prozent sind der Meinung, dass es für sie keine Alternative zum Geld gibt. Kein Wunder, dass Unternehmen in Stellenanzeigen heutzutage vor allem versuchen, mit Fringe Benefits zu punkten, und so auch gefragte Fachkräfte gewinnen.

Aber was ist nun der Vorteil davon, auch mal unbezahlten Urlaub zu nehmen? Arbeitnehmerinnen sind mit einem solchen Fringe Benefit deutlich flexibler. Zum einen haben sie ein festes Kontingent an Ferientagen, das sie jedes Jahr verplanen können und müssen. Dabei steht die Erholung im Vordergrund – das sieht auch der Gesetzgeber so. Deswegen müssen Schweizer Arbeitnehmerinnen auch pro Jahr mindestens zwei Wochen am Stück frei nehmen. Nur so kann man mal richtig entspannen, den Chef und tägliche Aufgaben hinter sich lassen und an etwas anderes denken. Diese Basis ist wichtig für eine gute Work-Life-Balance.
Zum anderen bietet die Option, zusätzliche Ferientage zu kaufen beziehungsweise unbezahlte Ferien zu machen, Angestellten mehr Gestaltungsfreiheit. Sie können selbst entscheiden, was ihnen im Moment wichtiger ist, und sich eine Auszeit nehmen, wenn sie diese brauchen. Ist ein Geschäftsjahr besonders anstrengend, können Mitarbeiterinnen also selbst entscheiden, ob sie mehr freie Zeit haben wollen. Sie sind aber nicht dazu gezwungen, jedes Jahr zum Beispiel sechs ganze Wochen Ferien zu nehmen.
Eine solche allgemeingültige Erhöhung der Ferientage für alle Arbeitnehmenden hatten die Schweizer Bürger
innen nämlich erst im Jahr 2012 abgelehnt. Damals rief der Gewerkschaftsdachverband Travail Suisse mit Unterstützung der Grünen und Sozialdemokraten zum Volksentscheid auf. Die Forderung: Sechs statt vier Wochen Ferien für alle. Die Begründung: Der Wettbewerbsdruck hat zugenommen, immer mehr Arbeitnehmerinnen werden krank, psychische Beschwerden nehmen zu. Arbeitgeberinnen und die FDP hielten mit Parolen wie „mehr Ferien – weniger Jobs“ dagegen.
Letztlich ist die Initiative gescheitert, eine eindeutige Mehrheit von zwei Drittel hat den Ferienbonus abgelehnt. Die Pauschallösung war keine, die den Schweizern zugesagt hat. Sie wollen vor allem Flexibilität – und selbst entscheiden, wie viele Wochen sie im Jahr Ferien haben.
Die Debatte, die diese Initiative ausgelöst hat, wirkt dennoch fort. Wer besonders viel Wert auf lange Auszeiten und Ferien legt, kann das inzwischen in vielen Unternehmen bei der Personalabteilung ansprechen, ohne Sorge zu haben, gleich als faul abgestempelt zu werden. Angesichts steigender Burnout-Zahlen schätzen es viele Arbeitgeber sogar, wenn ihre Arbeitnehmer ihre eigenen Bedürfnisse kennen und ihren Erholungsbedarf zwischen leistungsstarken Phasen aktiv optimieren.

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